AZ Nürnberg
"[...] Regisseur Christian von Treskow [...] mobilisierte seine Revue-Phantasie [...] und steuerte mit Hilfe des Komponisten-Kollegen die höhere Ebene der Verkünstelung an. Das schafft eine Plattform, von der die Schauspieler mit Bauchplatschern, die naturgemäß nicht immer gewollt komisch sind, in die weitgehend durchkomponierte Musik springen können. [...] Spuren für diese Art von Extrem-Singspiel würde man ganz gerne bis hin zu Alain Resnais’ "Chanson"- Kino suchen, wäre die Generalmobilmachung sämtlicher Brecht-Partnerschaften, temperiert von kurzer Orff-Durchlauferhitzung, weniger dominant und die Erkenntnis auf dem Weg zum Thema nicht auf dem Weg von der (vielsagend) schweigenden zur (zackig) singenden Mehrheit verloren gegangen. Im chorumkränzten Raum, der Kantine wie Gerichts- oder Wartesaal sein kann, arrangiert der Regisseur stabile Revue-Versatzstücke mit Nahkampf-Einlage, die jeden Western schmücken würden. Manchmal, wenn die "Steckrübensuppe der Demokratie" mit der Orange als "reife Frucht Revolution" zum Weimarer Eintopf verrührt wird, ist die Großproduktion ganz bei der eigenen Poesie. In "Erlangen" kreißte ein Berg, und das Mäuslein wurde heftig gefeiert.";;;"0

Dieter Stoll