Bonner General-Anzeiger
" [...] Die Klasse des Stücks – und der Inszenierung – liegt darin, daß es zeigt: Aufklärung, das ist ein Schmarrn. Den Wahnsinn vom Handeln wider besseres Wissen reflektiert sich so richtig zuckrig nur in der Farce; der Groteske. [...] Das Stück ist von der Sorte, daß man das Lachen hervorkramen möchte, das "einem im Halse stecken bleibe" – aber es bleibt nicht stecken, es will raus, und es kommt raus. Weil: Die , wir, alle sind noch um Potenzen lächerlicher als "bloß" schuldig. Christian von Treskow hat den Wahnsinn wunderbar bebildert. Am Anfang gleitet einer auf Jelinek getrimmten Sprecherin ein Paket in die Arme, eine Last, die sie nicht tragen will. Sie steht für die toten Roma: Es sind sechs Fußmatten. "Welcome" steht drauf, aber wenn sich die sechs Akteure mit der ganzen Gründlichkeit, zu der sie fähig sind, den "Fremden-Dreck" von den Füßen putzen, dann ist das monströs und grandios zugleich. Entgegen der Poetologie Jelineks halten sich die exzellenten, spiel- sing- und tanzfreudigen Schauspieler nicht zurück. So bringen sie die Ahnung zurück, daß der Weg vom Walzer zum Stechschritt sehr kurz sein kann.";;;"0

Wolfgang Schlüter