Coolibri
 "Dieser "Peer Gynt" mit einem über dreieinhalb Stunden beeindruckend präsenten Thomas Birnstiel in der Titelrolle bietet ein in vielerlei Hinsicht vitales Theatererlebnis. Da ist zum einen das intelligente, bestechend einfache und doch höchst wandelbare Bühnenbild von Jürgen Lier, das nicht opulente Bilder vorgibt, sondern diese im Kopf des Betrachters entstehen läßt, da sind die fantasievollen, teils folkloristisch verspielten Kostüme, die zur funktionalen Schlichtheit Liers einen sinnlichen Kontrapunkt setzen, da sind die freud- und kraftvollen Darsteller und ihr funkenschlagendes Spiel. Wunderbar ist, wie gleichberechtigt die stille Kammerspielszene und das großangelegte Figurentableau, die lebhafte Ensemblechoreographie und die einzelne Geste im Raum stehen. Selten paßt das gern gebrauchte Wort der Kongenialität so gut wie hier, wo Ibsen Mythisches und Märchenhaftes mit zeitgenössischer Sozialkritik mischt: Sein als "nordischer Faust" apostrophiertes Menschheitsgedicht von 1867 darf 2006 in Wuppertal alle seine Facetten entfalten, ohne aus den Fugen zu geraten. [...]"

Katrin Ann Kunze