Die Furche
"Wer zur grellen Travestie die legitimierende Interpretation braucht, weil es sonst kein korrekter Kunstgenuß ist, der mag nach "König Ubu" von Alfred Jarry den kleinen Spielraum im Foyer des Wiener Burgtheaters frustriert verlassen. Wer aber auch eine intelligente Hetz gelten läßt und zu genießen weiß, dem wird zum Stück, das 1896 mit seiner artifiziellen Fäkalsprache (Schreiße!) in Paris Empörung auslöste, schon all das einfallen, was Regisseur Christian von Treskow hätte stärker andeuten können, aber dem auf Komödiantik setzenden Konzept opferte. Ein mieser Kleinbürger wird König und Machtmonster. Was vor 100 Jahren Prophetie war, ist heute hundertfache Realität. Das Denkangebot bricht immer wieder durch den Klamauk. Für den sorgen mit ebenso präziser wie ordinärer Körpersprache vor allem Juergen Maurer und Josefin Platt.";;;"0

Hellmut Butterweck