Die Presse
"[...] Christian von Treskow, als junger Regiegast an der Burg, quält dem phantastischen Text derbe Körperlichkeit ab. Viel Schweiß und einiges Blut (aus aufgeschundenen Knien) fließen, Fettleiber wackeln unter schmutziger Unterwäsche, Gesichter erstarren zu Grimassen. Körpermassen legen sich quer über den feinen Sprachwitz der Dichtung. Die Darsteller toben hautnah vor den Zuschauern auf einem Laufsteg. Der Faß-mich-doch-an!-Furor aus den Kellertheatern der sechziger, siebziger Jahre feiert Wiederauferstehung im verschwenderischen Ambiente eines Staatstheaters. Jarry erlaubt jedem Regisseur jedwede Reduktion, sein "König Ubu" braucht nicht unbedingt gemalte Schlösser, Rathausfassaden, Schneelandschaften. Aber er verlangt Distanz, Künstlichkeit, auf daß sich seine obsessive Traumwahrheit entfalten kann. Der Burg-Furor macht rasch müde. Nach eineinhalb Stunden hat Jarrys Antiklassik die Fadesse mancher Klassik überholt. [...]";;;"0

Hans Haider