Fränkischer Tag

"[...] Nach dem Germanenkult der wilhelminischen Kaiser, den Richard Wagner, die Weihefestspiele in Bayreuth und in deren Gefolge die Nazis auf die Spitze trieben, kann man die Nibelungen zwar nicht mehr ernst, wohl aber beim Wort nehmen. Dem trägt Marc Pommerenings Fassung für die Bühne insofern Rechnung, als er die mittelhochdeutschen "helden lobebæren und froiden hochgezîten" in gebundener Sprache pathetisch deklamieren, freilich auch schnoddrig in den Jargon abstürzen läßt. [...] Wäre da nicht Klaus Erharters eigens dafür komponierte Live-Musik, liefe der Nibelungen Not und Tod auf eine groteske Persiflage hinaus. Die fangen jedoch mit Donnerhall und Sphärenklängen, elegischen Romantizismen und getrommeltem Schlachtenlärm die lautmalerische Musik, eine klassische Verssprache, chorisch gesprochene altdeutsche Sprüche und Tableaus im variablen Pfeilerrund des Bühnenbildes ab – und lassen das Melodram erst im Gemetzel der Götterdämmerung zum bluttriefenden Grand Guignol abrutschen. Ein anrührend herzerfrischendes, grausiges Kriegsdrama aus Zeiten, als die Deutschen noch Germanen und Barbaren waren.";;;"0

F. J. Bröder