Kölner Stadt-Anzeiger

"Alles rot. Die Bühnenwände, die Saaleingänge, selbst die Seiten im Zuschauerraum. Nichts als Rot. Nicht Blutrot. Auch kein Liebesrot, kein Herzblutrot. Nein, greller, schriller. Ein irres, hysterisches Rot. [...] So kann keiner am Ende sagen, er habe doch bloß zugesehen. Ohne Beobachter kein Experiment. [...] Der Mensch ist hier zunächst ein Tier, triebgesteuert. Deshalb hat Regisseur Christian von Treskow vor allem am Anfang viel Text gestrichen. Das ist in dieser körperlich-künstlichen Aufführung kein Verlust. Zumal seine vier jungen Interpreten physisch sehr präsent sind. [...] Im Kölner Labor endet das Experiment tödlich. Als die Beobachter abgetreten sind, versinken die Liebesversuchsobjekte in ihren eigenen Spiegelbildern, bis sie darin ertrinken. Sie sehen sich, moralisch mißbraucht und so narzißtisch verblendet, an sich selbst zu Tode. Mit dieser Untreue gegenüber Marivaux, bei dem am Ende keiner stirbt, bleibt von Treskow jedoch seinem Ansatz treu: dieses Experiment ist – wie es das irre Rot verriet – ein Wahnsinn.";;;"0

Susanne Staerk