Kölner
" [...] Christian von Treskow vermeidet jede plumpe Anprangerung oder banale Mahnmal-Dramatik. Die erste Stunde liefert die mit viel brauner Diskursscheiße gefüllte Zitat-Moulinette als locker subtiles Textspiel mit heimat-melodischer Musikuntermalung, nur durchbrochen von der laut scheppernden Wiederkehr des am liebsten Verdrängten. Aber dann zerlegt das Ensemble im Walzerschritt den Text barbarisch-arisch-sch-sch-sch zum Dampflok-Geräusch-Bild: Deportation im Walzertakt. Wirkungsvoll wird mit assoziativen, bisweilen surrealen Bildeindrücken gearbeitet. Eine Trauergesellschaft kommt daher wie auf einer Vernissage, wo man – das Sektglas in der Hand – mit leger gelangweilter Gleichgültigkeit die ermordeten als Opfer-Skulpturen posieren läßt. Und an diesem kunstvoll inszenierten Kommentar über Kunst aus dem Leid der anderen kann selbst Jelineks Todesfugentheater nicht gänzlich vorbeihören.";;;"0

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