Lyon Figaro (Übersetzung)
"[...] Es ist dieses harte, provokante und gewalttätige Stück, das sich der deutsche Regisseur Christian von Treskow ausgesucht hat, um es vom 60. Jahrgang der ENSATT spielen zu lassen. Es kommt dabei eine Aufführung heraus, ebenso hart, gewalttätig und provokant, die ganz auf der Linie der Regiearbeiten liegt, die derzeit jenseits des Rheins en vogue sind. Eine Aufführung, die zugleich Qualitäten und Mängel aufweist. [...] Anzuerkennen ist die schöne Strenge der Inszenierung, die sich vollendet verbindet mit der messerscharf zugeschnittenen Dramaturgie, sowie die ausgewählte theatralische Form. Ganz Nüchternheit und Kargheit, komponiert sie ein Spiel von Linien, Schatten und Licht, in das sich die Schauspieler perfekt einfügen. Der Klang- und Musikraum ist ebenfalls perfekt beherrscht und trägt kräftig zum schroffen Eindruck des Ganzen bei. Dagegen überzeugt der Grund, die Textbehandlung, weniger, erscheint sogar fragwürdig. Die Texte werden dem Publikum rückhaltlos und ohne kontextuelle Verankerung entgegengeschleudert, und ihre Gewalt fällt auf oftmals perverse und kranke Art brutal über die Bühne her. Umso mehr, als nicht sicher ist, ob das Ansteigen des Adrenalinspiegels gleichermaßen von einem Ansteigen der Reflexion begleitet wird. Das Risiko dieser Regieentscheidung, welche die Form zum Nachteil des Textes bevorzugt, ist, in Stilübungen zu verfallen. Manchmal hat man den Eindruck, das Stück könne sich zu einem reinen Formenspiel entwickeln, zu einer choreographischen Abstraktion.[...]";;;"0

Nelly Gabriel