Nürnberger Nachrichten

"[...] Daß selbst die Leichen-Schlepperei in eine Art Ballett umgesetzt wird, liegt an Christian von Treskows betont artifizellem Regie-Ansatz: Oscar Wildes hoch stilisierter Sprache (hier in ebenso radikaler Übersetzung von Gerhard Rühm zu hören) setzt der junge Regisseur Körper-Theater entgegen. [...] Hier tanzt nicht nur Salome, hier scheint der ganze Hofstaat in Bewegungsmuster gepreßt zu sein. Der beginnende Wahn soll dadurch deutlich werden. Doch die nicht immer geglückte Choreographie lenkt zunehmend ab vom symbolistisch-poetischen Text [...] Die Grusel-Szene mit Jochanaans blutigem Kopf wird zur gelungenen Schlußpointe. Mit weniger Bewegungs-Spektakel, mehr von diesen schauspielerisch konzentrierten Momenten wäre diese "Salome" eine überzeugende Wiederentdeckung. So aber ist selbst die alles beobachtende "Mondin" im Hintergrund am Ende grünlich im Gesicht.";;;"0

Katharina Erlenwein