Theater heute

"[...] Am "Dickicht der Städte" scheinen den Regisseur auf den ersten Blick gerade noch die Rätselhaftigkeiten zu interessieren, die nach wilder Dichtkunst klingenden, verwirrend expressiven Wort-Kaskaden, das so modern oberflächliche Spiel zwischen Poesie und Gosse, das ganze Beziehungs- und Zusammenhanglose unserer Zeit. Für diese letzte und hohle Welt findet Treskow eine provozierend geschmackvolle Bildersprache, die in ihrer morbiden Tristesse und bedrückenden Endgültigkeit durchaus auch etwas Berückendes hat: Grau ist eine noble Farbe, und so verschafft sich das obskure Stück-Personal einen ästhetisch wohl- und stilistisch peinlich genau kalkulierten Abgang: eine in Schönheit sterbende Halb-Welt. [...] Wenn Brecht mit "Dickicht" etwas erzählen wollte von der "wilden Verzerrung", der puren Lust am Wettkampf und damit auch den verhängnisvollen und sinnlosen Überlebenskampf im Spätkapitalismus meinte, so hat Christian von Treskow hierfür in Erlangen verstörend endgültige, in ihrer strengen Ästhetik hinterhältige Bilder gefunden. [...]";;;"0

Bernd Noack