Abendzeitung Nürnberg
"[...] Das Auftragswerk des Erlanger Theaters, dem dichtenden Pop-Plauderer David Gieselmann und dem schon bei der kuriosen Kantorowicz-Vertonung "Erlangen" komponierenden Alexander Kukelka zugeteilt, betreibt Genre-Kreuzung. Bei der Premiere wurde die Genmanipulation bejubelt. Dada? Gaga? Naja! [...] Christian von Treskow, der sie Lust am Schaumschlag mal mehr und mal weniger überzeugend auslebte, bewegt sich mit dieser Produktion gar nicht so sehr im Niemandsland. Eher in Trend-Nähe dessen, was die Stücke von Händl Klaus an erheiternder Magie ausstoßen. [...] Die Aufführung kuschelt sich in eine Zwischenwelt aus Pathos und Persiflage (oder war's umgekehrt?), in der Akteure wie Zuschauer durch den Irrgarten geschubst werden. [...] Die Suche nach Kontaktlinsen gleitet in Kanon-Gesänge, in denen Lehrstück und Leerstelle Brüderschaft feiern. Erste Entscheidung und letzte Beschneidung werden beschworen, ehe einer mitteilt "Ich bin quasi tot". Was quasi eine Übertreibung ist. Davon lebt das Stück, wenn es behauptet, etwas vom "bundesrepublikanischen Mittelstand" zu erzählen. Neue Mitte? Na bitte!"

Dieter Stoll