Lyon Figaro
"Christian von Treskow verlagert die Begegnung des Griechenchefs Achilles und der Amazonenkönigin Penthe- silea vom Schlachtfeld in die Turnhalle. [...] Das sehr spielfreudige Ergebnis ist eine durchaus kurzweilige Kreu- zung aus Biomechanik und Sportgymnastik, die dennoch schwerlich über den anekdotischen Charakter ihres Grundeinfalls hinausgelangt. [...] Was bleibt von Kleist? Nichts. Nicht die geringste Tiefe, nicht die geringste Innerlichkeit, nicht der geringste Onirismus, nicht der geringste Ausflug ins dunkle Unbewußte, in das Mysterium der Seelen. Stattdessen rhythmisiertes Spiel der Körper, Explosion physischer Energien, Spiel mit dem Text und den Rollen, die sich die jungen Spieler sehr virtuos wie einen Ball oder Staffelstab hin- und herreichen. [...] Das Widersprüchliche an dieser Regieentscheidung für einen letztlich sehr beschränkenden und in seinen choreogra- phischen Codes beschränkten Körperausdruck ist, daß dieser teilweise das überlagert, was der Text an Spon- taneität und Instinktivität anspricht, an Wildheit, dunklen und animalischen Kräften, und der zudem jegliche Projektion und einfühlende Teilnahme des Zuschauers am Bühnengeschehen verhindert. Aber im Theater wie im Sport gilt schließlich: dabeisein ist alles."  

Nelly Gabriel