Süddeutsche Zeitung
"[...] Eine nicht ganz alltägliche Produktion: Schliesslich ist das Stück bereits 75 Jahre alt, geschrieben hat es der jüdische Journalist Alfred Kantorowicz als eine Art Doku-Drama mit autobiographischen Zügen. Und hier nun beginnen die Fragen: Welchen Sinn soll es haben, ein ganz und gar nicht zu Unrecht vergessenes Schauspiel nach so langer Zeit erstmals auf die Bühne zu zerren? Kann dies überhaupt wiederbelebt werden, oder wird das Theater zum Ort einer ästhetischen Autopsie? Und nicht zuletzt: Wer will das bitteschön sehen? Die Antworten, die das Theater Erlangen darauf gibt, überzeugen. (Es hat) aus dem Staubtext ein modernes Musiktheater gemacht. Verantwortlich dafür zeichnet der Wiener Komponist Alexander Kukelka, der den historischen NS-Bilderbogen mit einem volkshaft-bitterbösen Ton unterlegt - und damit den holzschnittartigen Text aus seinem Grab holt. Der eigentliche Kunstgriff freilich sind die 80 Laien aus Erlangen, die im Bühnenhintergrund den Chorus bilden: Ihr Gesang ist es, der den Umschlag vom Folkloristischen ins Völkische spürbar macht. Und deren permanente Präsenz das Stück zu einer ureigenen Angelegenheit der Stadt werden lässt. [...]";;;"0

Olaf Przybilla