Sender Freies Berlin (Galerie des Theaters)
" [...] Im Wechsel rezitieren die vier Darsteller den Text des Oskar Panizza, sind mal der erstaunte Besucher und mal Insassen eines merkwürdigen Asyls, in dem eine eiserne Disziplin herrscht. [...] Nur der Kampf um den Salzstreuer oder die Seife verrät bei ihren repetitiven Verrichtungen noch Reste eines kreatürlichen Impulses. Dann beäugen sich die vier eifersüchtig, lauernd bedacht auf ihre Gleichheit, eine Gruppe, die nur der Neid zusammenhält. [...] Es darf gerätselt werden, ob die vier Darsteller eines Tages, aus ihrem Asyl entlassen, als clowneske Gestalten auf die noch biologisch sich fortpflanzende Menschheit losgelassen werden, als käufliches Objekt, zur Erbauung ihrer Besitzer, wie es der Text der Erzählung an einer Stelle nahelegt, oder ob sie bis ans Lebensende in ihrem Gefängnis verbleiben, als Ausschuß einer noch fehlerhaften Maschinenmenschenproduktion. Der Schluß legt letzteres nahe: In wilder, sinnloser Bewegung schieben sie ihre Tischnähmaschinen vor sich her, nehmen rasch hinter ihnen Platz, um genauso schnell nach einer neuen Position im Raum Ausschau zu halten. Ihre ordentlichen Alltagsrituale versinken in chaotischer Hektik, und dabei triumphiert die Theaterspielmaschine über ihren literarischen Anlaß.";;;"0

Eberhard Spreng