Thüringer Allgemeine
"Heiner Müller, das weiß man, mochte Johnny Walker. Marc Pommerening, das hört man, mag Heiner Müller. Und so schreibt er über John Walker Lindh im Heiner-Müller-Sound. Und deshalb verbreitet "Johnnys Jihad" langweiligen Eklektizismus, weil Marc Pommerening ist nicht Heiner Müller. [...] Diese Sprache geriert sich, als grabe sie an den archaischen Wurzeln des Menschengeschlechts, dabei ist sie als Inhalt nicht weiter als jede Zeitung es war. Das stiftet ein Gefühl von Überhebung des Textes, zumal ihm jede innere Kraft fehlt. – Die Inszenierung von Christian von Treskow auf der Guantanamo-Käfig-Bühne von Jürgen Lier ist deutlich besser, sie erweist das Handwerk des Regisseurs und seines Ensembles, indessen verschleißt sie sich an ihrem Material. Treskow sucht die Balance zwischen dem quasi Dokumentarischen und dem quasi Antiken, aber er kann nicht besser sein als sein Text. Da ist viel Rhythmus in Sprache und Bewegung, die beiden Damen agieren gekonnt als gestische Zwillinge, und wenn sie im visuellen Stewardessen-Zitat zu dröhnender Musik und einem sich unter der Folter windenden Lindh die Notausgänge eines Flugzeugs zeigen, dann sind wir nahe am 11.September und seinen Folgen – einmal. – Tote sind so langweilig, heißt es einmal. Aber Lebende auch, manchmal.";;;"0

Henryk Goldberg