Westdeutsche Zeitung 
"[...] Warum der Griff in die Mottenkiste des Pop hin zu Jimi Hendrix, Folkballade oder Kuschelrock? Das wühlt heute niemanden mehr auf. Dann doch lieber die klangvolle Goethe-Sprache auf Deutsch rappen wie im HipHop oder düster grölen wie im Industrial Rock von Rammstein. Und wenn Provokation und "Neue Deutsche Härte" angesagt wären, warum dann ein blond bezopftes Gretchen? - Nicht konsequent genug spielt von Treskow die Aktualisierung und Transformation in die Gegenwart aus. - Das große Plus freilich ist die exzellente junge Schauspielergarde. Allen voran Thomas Braus als Faust, dem man sowohl den zur höchsten Erkenntnis quälend Strebenden als auch den ehrlich Liebenden vorbehaltlos abnimmt. [...] Die Musik findet hier die Parallele: Zappelnde Glieder wie im Veitstanz und psychedelisches Zucken. [...] Andreas Möckel gibt (den Mephistopheles) [...] als schelmischen Verführer und Witzbold mit schleimiger Anbiederung, dass man den geschniegelten Parvenü des vorletzten Jahrhunderts ebenso wieder zu erkennen glaubt wie den neureichen Großindustriellen oder eiskalten Manager der Jetztzeit. - Trotz ihrer Blondzöpfe ist Olga Nasfeter ein überzeugendes Gretchen. [...] Fazit: Ein großer Goethe-Abend, der auf Musik gut verzichten könnte."

Veronika Pantel