Westdeutsche Zeitung
"Weiß ist ihr Outfit, durchaus düster und undurchsichtig sind die Absichten der Figuren [...]. Abgesehen von den fantasievollen Kostümen von Dorien Thomsen herrscht eine optische Leere. Dass an Requisiten gespart wird und die Bühne von Jürgen Lier - ein Kubus, den Techniker in Handarbeit sichtbar im Kreise drehen - leer geräumt ist, mag zwar komisch aufstoßen, hat aber Prinzip. Man soll sehen, dass das Ganze nur Theater ist. Von Treskow siedelt das Verwirrspiel von 1743, pfiffiges Stück zwischen Commedia dell'arte und Charakterkomödie, weder im Gestern noch gänzlich im Heute an. Zeitlos ist seine Inszenierung, adäquat flott H.C. Artmanns Übersetzung. Der moderne Text sprüht selten vor albernem, meist vor geistreichem Witz. Die Botschaft ist jedoch (zu) versteckt. Von Treskow trimmt Goldonis Kritik an einer Gesellschaft, die ihre Kinder als Heiratsobjekte verscherbelt, zwar nicht penetrant auf Zeitgeist, ein deutlicherer Schuss Dialektik hätte jedoch nicht geschadet. So verweist nur ein einziger Satz von Truffaldino darauf, dass es immer mehr Arbeitslose und zugleich Outsourcing-Modelle gibt. Truffaldino freilich will es nicht anders. Der Lebenskünstler sucht doppelte Arbeit und doppelten Lohn, ist komisch, aber kein Narr. Ein Glücksfall ist Thomas Braus, der seinen Tonfall sekundenschnell wechselt, den stibitzten Pudding einer Zuschauerin in die aufbewahrenden Hände drückt - eine Clownsnummer, wie sie im Buche steht. [...] Bewegung erhält der Bühnenklamauk auch durch die choreografierte Gestik der Darsteller, die präzise aufeinander abgestimmt ist und zu Recht ganz nach dem Geschmack des Premierenpublikums war: viel Applaus für viel Esprit.";;;"0

 Martina Thöne