Westfälische Rundschau
"Hier eine würfelförmige, drehbare Guckkastenbühne, mit edlem braunen Holz vertäfelt und bar jeder Einrichtung. Dort das Stück-Personal, alle in penibel gereinigter, hellbeiger bis weißer Kleidung. Das hat auf den ersten Blick nicht nur etwas Marionettenhaftes, das hinterläßt auch einen wundersamen Eindruck von Sauberkeit. Regisseur Christian von Treskow, Bühnenbildner Jürgen Lier und die für die Kostüme zuständige Dorien Thomsen haben sich da für Carlo Goldonis "Diener zweier Herren" ein derart ausgetüfteltes Kontrastprogramm ausgedacht, dass man fast die Augen schließen möchte - jeder Blick könnte dieses Arrangement beschmutzen. Doch dieses Geschäft besorgen die Figuren hernach schon selbst. [...] Anfangs meint man noch, einer Veranstaltung in Zeitlupe beizuwohnen, so langsam und gespreizt wird hier gesprochen. Doch dann zeigt sich, dass all diese Verzögerung nur dazu dient, um die Wieseligkeit des Dieners Truffaldino herauszustellen, der in einer anderen Zeitschleife zu existieren scheint. Das Stück lebt von dieser Figur, die in Wuppertal mit Thomas Braus vortrefflich besetzt ist [...]. Treskow gelingt eine Aufführung, in der jedes Detail sitzt. Dass der Abend sich dann in die Länge zieht, das liegt an Treskows Begehr, hinter all der Lustigkeit auch das elementare Drama aufzuzeigen. Am Ende wird der Guckkasten weggeschoben, gähnt die Bühne wüst und leer, setzt Schneefall ein. Die Liebenden, einer vom Tod des anderen überzeugt, werden dem Winter ihrer Gefühle ausgesetzt - bis sie sich endlich in den Armen liegen. Nur weil in Becketts "Warten auf Godot" Laurel & Hardy aufleuchten, muss man Goldoni nicht mit den "Todesvariationen" kreuzen. Hier stört´s nur den Rhythmus einer ansonsten so stimmigen Inszenierung.";;;"0

Arnold Hohmann