Westfalenpost
"[...] Kraftvoll und komödiantisch bringt Regisseur Christian von Treskow Goldonis Komödienklassiker auf die Wuppertaler Bühne. Ein drehbarer Bühnenwürfel bietet immer neue Spielflächen, die hinreißenden Kostüme (Dorien Thomsen) setzen sich aus historischen und heutigen Elementen zusammen. Die Ausstattung bietet ein leichtes, helles Umfeld für die Komödie, mit der Goldoni die Grenzen der Commedia dell’arte sprengte. Er wollte von Menschen erzählen, nicht nur Gags produzieren. – Hinter der prallen Komik, der Typisierung, dem Slapstick steckt das Grauen. Truffaldino kämpft ums Überleben, er hat wirklich Hunger. Und die Liebespaare, die durch seine absurden Lügen und Trotteligkeiten in Gefühlsverwirrung gestürzt werden, stehen wahrhaftig am Rande der Verzweiflung. Deshalb bricht Christian von Treskow die Heiterkeit gegen Ende. Da fährt der Bühnenkubus nach hinten, Schnee fällt auf die nun leere Spielfläche, es wird kalt in Goldonis Italien. Der verschmähte Liebhaber (Thomas Birnstiel) taucht plötzlich mit einer Kettensäge auf, es ist nur noch ein kleiner Schritt zum Horrorfilm. Nur mühsam bekommen alle die Kurve zum glücklichen Ende, niemand ist ohne Verletzungen davon gekommen. Gespielt wird die hervorragende Übersetzung des österreichischen Dichters H. C. Artmann, die dem turbulenten Stück viel Wortwitz, aber auch poetische Dichte und Doppelbödigkeit verleiht.";;;"0

Stefan Keim