Wuppertaler Rundschau
"Kann man über etwas lachen, das gute 255 Jahre alt ist? Man kann! Mit ihrer Christian-von-Treskow-Inszenierung von Carlo Goldonis Klassiker "Der Diener zweier Herren" haben die Wuppertaler Bühnen soeben bewiesen, dass das Stück des 1707 geborenen Venezianers auch und gerade heute, wo allüberall "Komödie" oder "Comedy" draufsteht, für einen echten Genuss ohne Reue gut ist. [...] Hier brennt ein durchgängig bestens gelauntes Ensemble ein sommerliches Freudenfeuerwerk ab, das dank seines in jeder Hinsicht hohen Niveaus geeignet wäre, zum zeitlosen Ganzjahresstück zu avancieren. Goldoni schrieb die Komödie zwischen 1745 und 1755 - und wer sie gut spielt, spielt mit ihr immer noch all die inflationären Zwerchfell-Terroristen des Krawall-Boulevards locker an die Wand. [...] In Wuppertal hat man das Ganze behutsam, aber konsequent modernisiert: Die Kostüme sind (noch) barock, aber schon schrill und schräg, das Bühnenbild von Jürgen Lier bietet einen puristischen, schnell (ver)wandelbaren Schaukasten ebenso wie von Schneefall im Mondenschein gefühlvoll überzuckerte Ebenen. Und die Musik, die Sebastian Weber ausgesucht hat, lässt immer wieder an elektronische Spinette denken, dreht den Regler aber auch mal heftig auf, wenn düsterer Psycho-Pop serviert wird.[...] Hänger? Fehlanzeige! Spektakulär die Szene in Brighellas Locanda, wenn Truffaldino für seine beiden Herren, die nichts voneinander wissen, parallel als Servier-Kellner eines mehrgängigen Menüs agiert: Da ist am Ende nicht nur Thomas Braus, sondern auch sein atemloses Publikum in Schweiß gebadet. [...]";;;"0

Stefan Seitz