Zitty
"Die intensive Beschäftigung mit Meyerholds Bio-Mechanik [...] stellt schlagend, witzig, anrührend, abgedreht und doch logisch die Vorteile eines methodischen Ansatzes heraus. Wer genau weiß, was er will und sich der objektiven Instrumente einer Analyse inklusive der entsprechenden Realisierungsmöglichkeiten bedient – der kommt ziemlich weit. [...] Was Robert Beyer, Christoph Tomanek und Martin Engler in der Belforter Straße veranstalten, wie sie ihre Leiber zu Körperkarikaturen umformen , im Schwimmbad der Lüsternheit frönen und im Irrenhaus die kafkaeske Stimmung treffen – da sieht man dem Affen zu, wie er gezuckert wird. Das ist zwar lustig, aber genauso herbe; stellt es doch eine Hilflosigkeit der Subjekte aus, die wunderbar zu den philosophischen Gags des Autors paßt. Die Anstrengung verlagert sich an eine Grenze, die dann doch nie überschritten werden kann. Dann gibt es also kein Jenseits? Keine Unsterblichkeit? Keine Hoffnung? Solche Megafragen zu provozieren – das geschieht auf hauptstädtischen Bühnen normalerweise in bleierner Zeit. Man schläft ein und will was Interessanteres träumen. Dagegen treiben die Sprünge, die Wandklettereien, die fliegenden Requisiten im bat die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu direktem Kontakt mit dem, was sich auf der Bühne ereignet. Diese Wirkung ist kalkuliert und vor allem umgesetzt. Vvedenskij ist natürlich kein bloßer Nonsense-Dichter. Aber vorher hat man das so wohl selten gesehen. [...]";;;"0

Reiner Schweinfurth