sitartmag (Übersetzung)
"[...] Das Recht des Stärkeren in allen seinen Ausprägungen wird heruntergebetet in diesen kurzen Lebens-Scheibchen, die schockieren und umwerfen: diverse Hänseleien, körperliche Quälereien, Vergewaltigungen, Beleidigungen...; moralische Schranken, gesellschaftliche Regeln und Tabus werden verworfen und die Gewalt, die faszinierende, bleibt der einzige faßbare Anhaltspunkt, an den der Zuschauer, halb amüsiert und halb abgestoßen von soviel Exzessen hart an der Grenze zur Groteske, sich festhalten zu können scheint. Dennoch haben diese menschlichen Entstellungen nichts Überflüssiges an sich, und der Zweck dieser Grausamkeit wird besonders sinnfällig in den streng inszenierten Gruppenchoreographien, die chorische Funktion besitzen: Im Block werden angeklagt: der Sozialrassismus, die Konsumgesellschaft, die Scheinheiligkeit der Werbung und des Marketing, die Kommunikations-Religion, die Macht des Geldes... alle Dinge, die das Individuum dazu bringen, sich ais Automat zu verhalten und im Totalitarismus des Einheitsdenkens unterzugehen. [...] Der zweite Akt hebt sich vom allgemeinen Schema ab und verdient viel Beifall: Die kurzen Szenen werden verworfen, um die "Karriere" der beiden "Heidemörder", wie sie die englische Sensationspresse nannte, zu vertiefen. Ian und Myra erscheinen inmitten einer kleinen Schachtel, die ihr beengtes Interieur wiedergibt, ein Bild für ihre Kleingeistigkeit: ein veritables tableau vivant, eine entsetzliche Puppenstube, erschüttert von den Machenschaften und Orgasmen der beiden Mörder. Es ist diese schauderhafte Vision, die dem Zuschauer im Kopf bleiben wird, und nicht die abschließende Techno-Parade, die im Vergleich dazu beliebig und sinnentleert wirkt.";;;"0

Blandine Longre